Bingsu (빙수) ist Koreas bekanntestes Eisdessert: fein geschabtes Eis, meist auf Milchbasis, mit süßen Toppings wie gesüßten roten Bohnen, Reiskuchen, Kondensmilch oder Obst. Der Name bedeutet wörtlich „Eis-Wasser“ (氷水). Hier erfährst du, welche Sorten es gibt, woher Bingsu kommt und wie du es zu Hause ohne Eismaschine machst.
Was ist Patbingsu?
Der Klassiker ist 팥빙수 (Patbingsu), Bingsu mit 팥 (Pat), gesüßten roten Bohnen. Dazu kommen häufig Kondensmilch, Fruchtsirup, Obst und kleine Reiskuchen (떡, Tteok). Viele bekannte Patbingsu-Läden in Korea halten es laut Korean Bapsang ganz einfach und nehmen nur rote Bohnen und Tteok.
Was ist der Unterschied zwischen Bingsu mit Eis und mit Milch?
Früher bestand Bingsu aus geschabtem Wassereis. Heute ist Milcheis verbreitet: Gefrorene Milch wird so fein geschabt, dass sie fast wie Schnee aussieht. Bekannt gemacht hat das die Kette 설빙 (Sulbing), die im April 2013 ihre erste Filiale in Busan eröffnete. Sulbing nahm Milch statt Wassereis und geröstetes Sojabohnenmehl statt roter Bohnen. Ihr Injeolmi-Bingsu wurde nach Angaben der Asia Business Daily bis 2019 mehr als 25 Millionen Mal verkauft.
인절미 (Injeolmi) ist ein Reiskuchen aus gedämpftem Klebreis, der in 콩가루 (Konggaru) gewälzt wird, gemahlenen gerösteten Sojabohnen. Beides kommt beim Injeolmi-Bingsu obendrauf.
Welche Bingsu-Sorten gibt es?
Neben Pat- und Injeolmi-Bingsu nennt die englische Wikipedia Melone, Kaffee und Grüntee als beliebte Sorten. Verbreitet sind auch Bingsu mit Mango, Melone oder Wassermelone.
Besonders bekannt ist das Mango-Bingsu der Luxushotels in Seoul. Die Preise sind dabei kräftig gestiegen: Das Four Seasons Seoul verlangte 2025 laut Asia Business Daily 149.000 Won, das Hotel Shilla 110.000 Won. 2019 hatte das Mango-Bingsu im Shilla noch 54.000 Won gekostet. In Kaffeeketten gibt es Bingsu im Becher dagegen nach Angaben der Korea Times schon für 4.400 bis 6.300 Won.
Woher kommt Bingsu?
Eis war in Korea lange ein Luxus. In der Joseon-Zeit lagerte man es in steinernen Eishäusern, den 석빙고 (Seokbinggo). Sieben davon sind in Südkorea erhalten, gebaut zwischen 1713 und 1742. Das bekannteste steht in Gyeongju: Es wurde 1738 zunächst aus Holz errichtet, vier Jahre später an seinen heutigen Platz verlegt und ist seit 1963 als Kulturschatz (Treasure Nr. 66) geschützt. Eis bekamen damals vor allem der Hof und hohe Beamte.
Ob es in der Joseon-Zeit schon Desserts aus Eis gab, ist nicht belegt. Das moderne Bingsu kam nach der Darstellung der Korea JoongAng Daily wohl während der japanischen Kolonialzeit aus Japan, wo geschabtes Eis als Kakigōri bekannt ist. Die früheste koreanische Beschreibung stammt laut Korea Times von 1877: Der Gesandte Kim Gi-su schilderte nach einer Reise nach Japan zu Pulver geschabtes Eis mit Eigelb und Zucker. 1921 gab es nach einem Bericht der Zeitung Dong-A Ilbo schon mehr als 400 Bingsu-Läden in Seoul.
Nach dem Koreakrieg wurde Bingsu durch Kondensmilch und Sirup vielfältiger. Wann Patbingsu seine heutige Form bekam, geben die Quellen unterschiedlich an, die Spanne reicht von den 1920er- bis in die 1980er-Jahre.
Wie mache ich Bingsu ohne Eismaschine?
Mit gefrorener Milch geht es auch ohne Maschine. Die Mengen reichen für zwei Portionen und folgen einem Rezept von WhatToCookToday.
Für das Milcheis
- 300 ml Vollmilch
- 45 g gesüßte Kondensmilch (연유, Yeonyu)
- 40 g Wasser
Zum Belegen (pro Portion, nach Korean Bapsang)
- 2 bis 3 EL gesüßte rote Bohnen
- 2 EL Kondensmilch
- nach Wunsch kleine Reiskuchen, Obst oder geröstetes Sojabohnenmehl
- Verrühre Milch, Kondensmilch und Wasser und füll die Mischung in einen Gefrierbeutel.
- Leg den Beutel ins Gefrierfach und lass ihn mindestens 5 Stunden gefrieren, besser über Nacht.
- Roll oder klopf kräftig mit einem Nudelholz über den Beutel, bis das Eis fein zerbröselt ist. Wer einen starken Mixer hat, kann das Eis auch darin zerkleinern.
- Füll das Milcheis in eine Schale, gib die Bohnen und die übrigen Toppings darauf und beträufle alles mit Kondensmilch.
Gesüßte rote Bohnen und kleine Bingsu-Reiskuchen gibt es im Asia-Laden fertig zu kaufen. Wer die Bohnen selbst kochen möchte: Korean Bapsang kocht 454 g getrocknete Adzukibohnen erst 5 Minuten in Wasser, gießt sie ab und lässt sie dann in frischem Wasser etwa eine Stunde bei mittlerer bis kleiner Hitze köcheln. Zum Schluss kommen ½ TL Salz, ⅓ Cup Zucker und ⅓ Cup Honig dazu, und alles köchelt offen noch 10 Minuten. Im Kühlschrank halten sich die Bohnen bis zu einer Woche, eingefroren mehrere Wochen.
Wer sich durch die Welt der koreanischen Süßigkeiten probieren möchte, findet in unserer Kategorie Süßigkeiten Snacks aus Korea, Japan und Taiwan. Dalgona, der koreanische Zuckerkeks, hat übrigens einem ganzen Kaffeetrend seinen Namen gegeben: mehr dazu in unserem Artikel über Dalgona-Kaffee.
Quellen
- Korean Bapsang: Bingsu (Shaved Ice with Sweet Red Beans) (2020)
- WhatToCookToday: Korean Injeolmi Bingsu
- 10000recipe: Rezept 7005123 und Rezept 6982827 (koreanisch)
- The Asia Business Daily: zu Sulbing (2020) und zu Hotel-Bingsu-Preisen (2025)
- Korea Times: Bingsu: all you need to know (2025)
- Korea JoongAng Daily: Bingsu, Korea's most dynamic dessert (2019)
- KOREA Webzine (Korean Culture and Information Service): zu Bingsu (2024)
- Wikipedia: Bingsu, Sulbing, Gyeongju Seokbinggo, 석빙고















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